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bianci

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Die Hauptstadt: Roman

Die Hauptstadt: Roman - Robert Menasse Inhaltlich hat mich der Roman "Die Hauptstadt" wie vielen anderen LeserInnen zum Großteil überzeugt (obwohl "tying up loose ends" wohl nicht so des Autors Ding zu sein scheint - was vielleicht auch Absicht war, vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung?). Meiner Interpretation nach zieht sich aber sehr wohl ein starker roter Faden durch den Roman, und ich meine nicht das mysteriöse Schwein, sondern die sehr im Vordergrund stehende Einsamkeit, der jeder Protagonist des Romans, wenn auch in unterschiedlichen Formen und Ausprägungen, ausgesetzt zu sein scheint. Woher kommt diese Einsamkeit?

Für mich als sehr an der Europäischen Union und EU-Politik interessierte Person war dieser Roman natürlich ein Glücksgriff sondergleichen, da er sowohl gut recherchiert war, als auch interessante Themen (wie den Spielchen der verschiedenen Akteure, sowohl innerhalb der Kommission, als auch zwischen den verschiedenen EU-Institutionen und den Mitgliedsstaaten) hinter dem Vorhang hervor holte, die den europäischen BürgerInnen sonst oft vorenthalten bleiben.

Einige Themen bleiben wie eingangs angesprochen (noch?) offen, daher wäre auch eine Fortsetzung sicher sehr spannend zu lesen!

Und jetzt noch ein paar vereinzelte Gedanken zum Schluss :)

- Robert Menasse hat einen bestimmten österreichischen Außenminister in einem sehr kurzen Auftritt unglaublich gut getroffen ("geil") - das hat mich seeehr amüsiert!
- Interessant und besonders wertvoll fand ich die starke thematische Einbindung des Nationalsozialismus (die redlichen Bemühungen der Involvierten, Auschwitz und die Überlebenden des Holocaust als zentralen Bestandteil des Jubilee Project und damit als "Grundstein" der Kommission zu setzen). Das Ende von Herrn de Vriend ist wirklich erschütternd.
- Der Mordfall und der damit einhergehende Erzählstrang über den Geheimdienst des Vatikan und einen polnischen Assassinen-Priester empfand ich als etwas überflüssig und auch als unabgeschlossen. Hingegen fand ich den Charakter von Komissar Brunfaut geradezu herzerfrischend bemitleidenswert, und ohne diesen Mord wäre der Komissar schwer in den Roman integrierbar gewesen, also hat dieser sehrwohl seine Daseinsberechtigung.
- Das Schwein ist genauso plötzlich aufgetaucht, wie es wieder verschwunden ist, und der Namenswettbewerb für ebendieses Schwein wurde ebenfalls abgebrochen. Schade!